Therapie – Behandlung SIBO

Was machen, wenn SIBO vorliegt?

Sie haben den reizdarmSOS Atemtests zu Hause gemacht und das Ergebnis zeigt, dass bei Ihnen einen SIBO oder eine IMO vorliegt? Nun fragen Sie sich, was Sie mit der Information machen können. Wir empfehlen Ihnen, sich mit einem Arzt, Therapeuten oder Ernährungsberater, der sich damit auskennt zusammenzusetzen umgemeinsam eine passende Therapie für Sie zu erarbeiten.

Falls Sie aktuell keinen Experten an der Hand haben, dennoch aber etwas gegen Ihre SIBO oder IMO tun möchten, bieten wir Ihnen einen individuell auf Sie abgestimmten Therapieplan an oder empfehlen Ihnen die Beratung bei unsere Ernährungsberaterin Annika Hochgürtel.

Ansonsten geben wir Ihnen anbei ein paar allgemeine wertvolle Tipps – wissenschaftlich fundiert und von entsprechenden Spezialisten entwickelt.

Behandlungsstrategie bei SIBO

Es existieren verschiedene Behandlungsprotokolle für die Therapie einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms/ SIBO.

Jede Strategie verfolgt dabei 3 Ziele:

1. Reduktion der Bakterien

Reduktion der Bakterien bei SIBO / Dünndarmfehlbesiedlung

Zur Reduktion der im Dünndarm nachgewiesenen Bakterien gibt es grundsätzlich vier Therapieoptionen:

  1. Einsatz klassischer Antibiotika
  2. Einsatz pflanzlicher Antibiotika/antimikrobieller Substanzen
  3. Rein diätetische Behandlung /Nahrungsumstellung
  4. Aushungern der Bakterien durch eine Elementar-Diät

1. Antibiotische Behandlung

Es wird versucht, die bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms direkt und schnell mit Antibiotika zu behandeln. Für viele Gastroenterologen ist dies die erste Wahl.

Die mit verschiedenen Antibiotika durchgeführten Studien zeigen bis zu 91% Erfolg bzgl. der Bakterienelimination (gemessen durch Wasserstoff-Atemtests) und bis zu 94% Verbesserung der Patienten-Symptome.

Welche Antibiotika sind zu empfehlen?

Das am häufigsten eingesetzte Antibiotikum zur Behandlung der bakteriellen Fehlbesiedelung ist Rifaximin (Xifaxan). Es zeichnet sich dadurch aus, dass es kaum resorbierbar ist. Dadurch verbleibt Rifaximin nahezu vollständig im Darm, kann dort die gewünschte, lokale Wirkung entfalten und verursacht keine systemischen Nebenwirkungen im Rest des Körpers. Aufgrund dieser Eigenschaft und der optimalen Wirkung im eher alkalischen Dünndarmmilieu stellt Rifaximin die erste Wahl im Rahmen der antibiotischen SIBO-Therapie dar. Zu beachten ist, dass Rifaximin in Deutschland die Zulassung nur für die Behandlung der Reisediarrhoe besitzt. Die Behandlung der bakteriellen Fehlbesiedelung mit Rifaximin stellt somit einen off-label-use dar und die leider teuren Behandlungskosten (bis zu € 400 für die 2-wöchige Therapie) sind keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Rifaximin ist in Deutschland als Tablette sowohl in 200mg als auch in 550mg Dosierung erhältlich. Die übliche Verabreichung erfolgt dreimal täglich, d.h. die Gesamtdosis wird auf drei Einzelgaben aufgeteilt.

Das Antibiotikum Neomycin ist ebenfalls nicht resorbierbar, wurde in mehreren Studien verwendet und wäre ebenfalls ein geeignetes Antibiotikum, ist derzeit unseres Wissens in Deutschland aber leider nicht verfügbar. Ggf. kann es über internationale Apotheken bestellt werden.

Als mögliche Alternative kommt insbesondere bei Nachweis erhöhter Methanwerte im Atemtest (V.a. IMO – Besiedelung des Darms mit methanbildenden Keimen) und einer klinisch im Vordergrund stehenden Verstopfungssymptomatik als zusätzliches Mittel oft Metronidazol zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein günstiges und ohne Probleme verfügbares Antibiotikum mit breitem Zulassungsspektrum inkl. der Behandlung von Magen-Darm-Infekten. Allerdings ist Metronidazol ein „klassisches“, resorbierbares Antibiotikum mit entsprechend möglichen unerwünschten Wirkungen. Trotzdem ist es insbesondere bei der Behandlung einer methandominantem SIBO/IMO mit dann meist im Vordergrund stehender Verstopfungsproblematik manchmal unverzichtbar.

Metronidazol ist in Deutschland üblicherweise als Tablette in der Dosierung 400mg erhältlich, die Tabletten sind jedoch teilbar.

Generelle Empfehlung bzgl. der verwendeten Antibiotika:

  • Rifaximin kann in allen Fällen von SIBO angewendet werden. In Studien wurden 3 verschiedene Dosierungsoptionen zwischen 1200 – 1650 mg/Tag untersucht.
  • Neomycin ist bei v.a. Verstopfung wirksam und wird zusätzlich zu Rifaximin als Doppel-Antibiose eingesetzt.
  • Metronidazol stellt eine wirksame Alternative zu Neomycin dar, mit allerdings möglichen systemischen Nebenwirkungen.
  • Wenn abwechselnd Durchfall mit Verstopfung vorliegt, wird die alleinige Anwendung von Rifaximin empfohlen.

2. Pflanzliche Antibiotika

Wie bei pharmazeutischen Antibiotika wird versucht, die Überwucherung von Bakterien direkt und schnell mit pflanzlichen Antibiotika/antimikrobiellen Substanzen anzugreifen. Dieses Vorgehen ist die erste Wahl für die meisten naturheilkundlich tätigen Ärzte und viele Heilpraktiker und wird oft von Patienten bevorzugt. In Studien zeigen sich die Ansprechraten der pflanzlichen Therapie vergleichbar denen von Rifaximin bei ähnlichem Sicherheitsprofil.

Entsprechend verwenden viele SIBO-Ärzte und Therapeuten pflanzliche Antibiotika seit vielen Jahren. Durchweg wird dabei festgestellt, dass sie bei der Linderung von Symptomen und der Reduzierung des Gasspiegels in den Atemtests oft genauso wirksam sind wie pharmazeutische Antibiotika.

Die Verwendung pflanzlicher Antibiotika kann somit nach derzeitigem Kenntnisstand als Alternative zu klassischen Antibiotika empfohlen werden. Die aufgrund teilweise notwendiger hoher Dosierung auftretenden Nebenwirkungen sind jedoch zu berücksichtigen und können manchmal die Nebenwirkungen klassischer Antibiotika sogar übertreffen. Deswegen ist immer eine einschleichende Dosierung zu empfehlen.

Welche pflanzlichen Antibiotika kommen zur Anwendung?

Zahlreiche Kräuter und ätherische Öle zeigen eine antibiotische Aktivität, aber wie bei jeder Erkrankung, für die Antibiotika verwendet werden, ist es entscheidend, das richtige Mittel bzw. die richtige Medikamentenkombination sowie die passende Dosierung zu finden. Es kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz:

  • Beispiele für vorgefertigte Kräuterkombinationsformeln (In Deutschland evtl. schwer erhältlich):
  1. Biotics FC Cidal
  2. Biotics Dysbiocide
  3. Metagenics Candibactin-AR
  4. Metagenics Candibactin-BR
  5. Olivirex
  6. Biocidin
  7. Atrantil

Oft wird auch eine Kombination dieser Produkte erforderlich sein, um eine erfolgreiche und sichere Behandlung der bakteriellen Fehlbesiedelung zu erreichen.

Eine individuelle Kombination aus ein bis drei der folgenden pflanzlichen Antibiotika/ätherischen Öle :

  • Allicin aus der Knoblauchknolle (das in Deutschland am häufigsten verwendete Produkt heißt „Allimax“, das über das Internet erhältliche deutlich höherdosierte amerikanische Produkt ist „Allimed“)
  • Oreganoöl – in Kapseln oder als Öl
  • Berberin – zu finden in Pflanzen wie Goldenseal, Oregon Grape, Berberitze, Coptis, Phellodendron, in konzentrierter Form in Kapseln erhältlich
  • Neem – Extrakt aus dem indischem Niem-Baum, erhältlich in Kapseln
  • Zimt – konzentriert in Kapseln erhältlich

Einnahme in der Regel 2-3 x tgl. entsprechend den Angaben auf den Produktverpackungen. Teilweise sind jedoch auch höhere Dosierungen nötig. Im Einzelfall können auch noch andere pflanzliche antimikrobielle Substanzen oder ätherische Öle zum Einsatz kommen. Außerdem kann die Gabe zusätzlicher Wirkstoffe insbesondere in schwierigen Fällen bei starker Gasbildung (Hinweis auf starke Bakterienbesiedelung) oder bei Relapse-Patienten den Behandlungserfolg verbessern. Hierzu zählen Wirkstoffe wie partiell hydrolysiertes Guarkernmehl (Optifibre), Biofilmlöser ( z.B. Interfase), oder die Gabe von Gallensäure-Präparaten.

Wir raten dringend davon ab, ohne sichere Diagnose und ohne Konsultation eines in der Behandlung der bakteriellen Fehlbesiedelung erfahrenen Therapeuten diese trotz ihrer freien Verkäuflichkeit oft hoch potenten Medikamente einfach „auszuprobieren“. Dies gilt insbesondere für Kombinationstherapien und höhere Dosierungen.

3. Diätetische Behandlung / Nahrungsumstellung

Unsere Ernährung hat einen erheblichen Einfluss auf unsere Darmbakterienpopulation, da unsere Darmbakterien sich genauso von dem ernähren, was wir essen, wie wir selbst. Und Bakterien essen dabei hauptsächlich Kohlenhydrate.

Das einzige Kohlenhydrat, von dem Bakterien nicht viel essen, sind unlösliche Ballaststoffe. Diese sind nicht „fermentierbar“. „Fermentierbar“ bedeutet dementsprechend, dass ein Nahrungsmittel von Bakterien verdaut werden kann. 

Entsprechend reduzieren alle für die Behandlung und die Symptomreduktion bei SIBO empfohlenen Diäten fermentierbare Kohlenhydrate. So wird versucht, die Bakterien und das von ihnen produzierte Gas zu reduzieren, indem ihre Nahrungsversorgung einschränkt wird. Idealerweise gelingt es, ausreichend Nahrung für den behandelten Menschen zur Verfügung zu stellen, die Bakterien aber verhungern zu lassen.

Konkret reduzieren alle diätetischen Behandlungsansätze zur Therapie und Symptomreduktion bei SIBO die folgenden fermentierbaren Kohlenhydrate / Saccharide (Zuckerverbindungen):

  • Stärke
  • Resistente Stärke
  • Lösliche Fasern
  • Zucker (in allen Formen)
  • Präbiotika (Inulin, Fructo-Oligosaccharide, Galakto-Oligosaccharide, Arabinogalactan)

Typische Quellen solcher fermentierbarer Kohlenhydrate / Saccharide sind:

  • Stärke – Getreide (Nudeln, Brot, Müsli…), Bohnen, stärkehaltiges Gemüse
  • Resistente Stärke – Vollkornprodukte, Samen, Hülsenfrüchte
  • Lösliche Fasern – wieder Getreide, Bohnen, Nüsse / Samen, Gemüse, Obst
  • Zucker – Früchte, Obst, Süßstoffe, Säfte, gesüßte Getränke
  • Präbiotika – Agave, Bohnen, Gemüse, Wurzeln / Kräuter, Nahrungsergänzungsmittel / Präbiotika mit Inulin oder Oligosaccharide

Einige Kohlenhydrate werden so schnell resorbiert, dass sie möglicherweise keine Zeit haben, fermentiert zu werden. Dies sind die „Einfachzucker“ Glucose und Fructose. Diese kommen lediglich in Honig als alleinige Kombination vor, in allen anderen Lebensmitteln sind sie hingegen mit fermentierbaren Kohlenhydraten kombiniert. Dann werden sie entsprechend langsamer resorbiert und können ebenfalls Bakterien als Nahrung dienen. Deswegen sind auch Glukose und Fruktose in der Regel limitiert bzw. nicht erlaubt.

Reifes Obst, nicht stärkehaltiges Gemüse und Nüsse sind in vielen SIBO -Diäten erlaubt, um eine ausreichende Nährstoffversorgung zu gewährleisten und die Palette an Nahrungsmittel nicht zu sehr einzuschränken, obwohl sie fermentierbare Kohlenhydrate enthalten.

Wie man diätetische Behandlungen/Nahrungsumstellungen für SIBO verwendet:

  • Als (alleinige) „Hauptbehandlung“ –  ohne Antibiotika oder andere Therapie. Dabei gilt: Eine Diät bzw. Nahrungsumstellung alleine kann eine ausreichende Linderung der Symptome bewirken, so dass keine andere Behandlung benötigt wird oder erwünscht ist. Allerdings wird zur langfristigen Symptomkontrolle wahrscheinlich eine langfristige Ernährungsumstellung erforderlich sein. Bei massiver Fehlbesiedelung, mit evtl. zusätzlichem Vorliegen einer Malabsorption oder eines „leaky gut“-Syndroms, ist in der Regel eine weitergehende Behandlung notwendig.
  • In Kombination mit Antibiotika oder pflanzlichen Antibiotika zur symptomatischen Linderung der Beschwerden und um den Erfolg der durchgeführten Therapie zu unterstützen.
  • Als Supportiv-Therapie während und nach der medikamentösen Behandlung, um die Heilung der durch die Bakterien oder auch die antibiotische Therapie evtl. angegriffenen Schleimhaut im Gastrointestinaltrakt zu unterstützen. Dabei kann es einige Zeit dauern, bis die gastrointestinale Schleimhaut ihre volle Integrität wieder hergestellt hat, die Barrierefunktion des Darms wieder vollständig intakt ist und alle Lebensmittel wieder richtig verdaut werden können. Deswegen sollte eine SIBO-spezifische Nahrungsumstellung noch mindestens einen Monat über das Ende der medikamentösen Therapie hinaus fortgeführt werden.
  • Im Rahmen der Rückfallprävention soll verhindert werden, dass nach Ende einer medikamentösen Therapie es erneut zu einer Fehlbesiedelung des Dünndarms kommt. Dies wird durch die evtl. auch langfristige Beibehaltung einer an fermentierbaren Kohlenhydraten reduzierten Ernährung deutlich unterstützt. Im Verlauf sollte aus Gründen der ausreichenden Versorgung mit Nährstoffen und zur (Wieder-) Gewinnung  von Lebensqualität jedoch (eine vorsichtige) Erweiterung der Palette an verzehrten Lebensmittel vorgenommen werden. Beibehalten werden sollte das sogenannte „Meal spacing“, d.h. das Einhalten von Mahlzeiten zur Nahrungsaufnahme unter möglichst komplettem Meiden von „Snacken“. Damit ermöglicht man seinem Darm ausreichende Ruhepausen, die er zur Selbstreinigung von evtl. wiederaufsteigenden Bakterien nutzen kann.

Beispiele etablierter SIBO Spezifischer Nahrungsumstellungen/Diäten:

  • Spezifische Kohlenhydratdiät (SCD)
  • „Darm- und Psychologie-Syndrom-Diät“ (GAPS-Diät)
  • Low-FODMAP-Diät (LFD)
  • SIBO-Specific Food Guide (Dr. Siebecker)
  • SIBO Bi-Phasic Diet (Dr. Jacobi)
  • Cedars-Sinai-Diät
  • Als einfachere Varianten kommen auch die „Fast-Track-Diät für IBS (Reizdarm) oder verschiedene Formen von Paleo-Diäten zum Einsatz.

Zu allen diesen Nahrungsumstellungen/Diäten gibt es im Internet zahlreiche Seiten mit genauer Beschreibung der notwendigen Nahrungsumstellung, Listen mit erlaubten und nicht erlaubten Nahrungsmitteln sowie weiterführender Literatur. Oft sind auch Diät-spezifische Kochbücher mit Rezepten und zahlreichen praktischen Tipps erhältlich.

Bezüglich der „Low-FODMAP Diät“ als der wahrscheinlich bekanntesten „Reizdarm“-Ernährung kann außerdem die sehr gut gemachte und auf Deutsch erhältliche App der „Monash University“ als Hilfe bei der Nahrungsauswahl empfohlen werden. Diese stammt von der australischen Universität, wo das Low-FODMAP Konzept ursprünglich entwickelt wurde und ist für geringes Entgelt in den üblichen App-Stores erhältlich.

4. Elementardiät

Durch eine rein flüssige Nahrung komplett ohne Ballaststoffe für 2 Wochen wird versucht, die im Dünndarm befindlichen Bakterien „auszuhungern“ und auf diesem Wege zu reduzieren, ohne zusätzliche antibiotische oder antimikrobielle Arzneimittel anwenden zu müssen.

Im ersten Meter des ca. 4-6 Meter langen Dünndarms findet sich aufgrund des Gemisches aus Magensäure, Verdauungsenzymen der Bauchspeicheldrüse sowie der Galle aus der Leber eine sehr lebensfeindliche Umgebung. Deshalb sind dort keine oder kaum Bakterien anzutreffen.

Durch die schnelle Aufnahme der Nährstoffe im Rahmen der „Elementardiät“ innerhalb dieses ersten Meters des Dünndarms bleibt für den dahinter befindlichen „Bakterienrasen“ kein Nährstoffangebot mehr übrig und die Bakterien „verhungern“.

Die Elementardiät stellt die einzige Möglichkeit dar, eine bakterielle Fehbesiedlung rein diätetisch zu therapieren. In Studien weist diese Form der SIBO-Behandlung eine Erfolgsrate von über 80 Prozent auf bei insgesamt guter Verträglichkeit durch die Patienten und kaum Nebenwirkungen. Viele SIBO-Therapeuten verwenden den Ansatz der Elementardiät vor allem bei starker Gasentwicklung (sichtbar an hohen Werten im Laktulose-Test), da sonst oft mehrere Runden an antibiotischer/ antimikrobieller Therapie notwendig sind.

In der Regel wird 3-5 x pro Tag eine Flüssignahrung aus Zucker (Glukose oder Honig), Fett (pflanzliche Öle) und einer Aminosäuremischung zusammen mit zusätzlichen Mineralien und Vitaminen aber komplett ohne Ballaststoffe getrunken. Die Zufuhr sollte langsam und in kleinen Schlücken erfolgen, um die Resorptionsfähigkeit des Darms nicht zu überlasten und keine Nahrung für Bakterien übrigzulassen.

Um die Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen sowie einer ausreichenden Kalorienmenge zu gewährleisten werden meist kommerziell erhältliche, leider jedoch ziemlich teure „Fertigdrinks“ verwendet. Beispiele sind:

  • Elemental Heal
  • Nutricia Elemental
  • Nutricia Neocate junior

Alternativ kann die Elementardiät aus Kostengründen selbst hergestellt werden. Hierfür finden sich im Internet entsprechende Rezepte z.B. bei Dr Siebecker (auf Englisch). Manchmal stellt der in der Regel unangenehme Geschmack der selbstproduzierten Variante jedoch ein gewisses Hindernis dar.

Generell sollte zur Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung und Vermeidung von Gewichtsverlust vor der zweiwöchigen Kur unbedingt eine Rücksprache mit einem in dieser Behandlungsform der bakteriellen Fehlbesiedelung erfahrenen Ernährungsberater oder Therapeuten erfolgen.

2. Unterstützung der Verdauung und Heilung der evtl. geschädigten Schleimhaut

Unterstützung der Verdauung und Heilung der geschädigten Darm-Schleimhaut

Die richtige Ernährung und das Einhalten einer „Esskultur“ stellen die wichtigsten Maßnahmen zur Entlastung des Darms, zur Unterstützung der Verdauung und zur Heilung der evtl. geschädigten Darmschleimhaut dar. Darüber hinaus kommen je nach Befunden und Vorerkrankungen des Patienten/ der Patientin spezielle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zum Einsatz.

Auf die verschiedenen Diäten und Ernährungsformen zur Prophylaxe und Unterstützung der Behandlung der SIBO wurde weiter oben bereits eingegangen. Generell und langfristig sinnvoll zur Entlastung des Darms und der Verdauung ist die Reduktion von stark gluten- und zuckerhaltigen Produkten in der Ernährung. Zuckerhaltige Getränke sollten möglichst komplett gemieden werden (oder höchstens einmal tgl. im Rahmen einer Mahlzeit konsumiert werden).

Wichtigste Aspekte der Esskultur sind insbesondere das Einhalten von Mahlzeiten („Meal spacing“), also das Vermeiden des „Snackens“ zwischendurch, sowie die ausreichende mechanische Zerkleinerung der Speisen bereits im Mund durch ausreichendes Kauen (ohne ständiges Trinken!). Essenziell hierfür erscheint, sich für jede Mahlzeit ausreichend Zeit zu nehmen.

Typische Medikamente, die unterstützend zum Einsatz kommen

Verdauungsverbesserung

  • Quellmittel, wie Flohsamenschalen oder Optifibre (partiell hydrolisiertes Guarkernmehl)
  • Enzyme
  • Bitterstoffe
  • Betain-HCL
  • Apfelessig
  • Rechtsdrehende Milchsäure (RMS)
  • Daosin / Daozym

Heilung der Schleimhaut / Behandlung des „leaky gut“:

  • Glutamin
  • Huminsäuren (Activomin)
  • Zeolith
  • Myrrhinil
  • Probiotika
  • Gelsectan
  • Zink

Behandlung der Verschiebung des bakteriellen Gleichgewichts im Dickdarm (neben Nahrungsumstellung und Verdauungsverbesserung):

  • Probiotika
  • Präbiotika

Behandlung einer zusätzlichen Candida-Pilzaufwucherung des Dünndarms (SIFO) oder des Dickdarms:

  • Nystatin (idealerweise als Kombination von Tabletten und Suspension)
  • Fluconazol
  • Amphomoronal
  • Biogena AC 7
  • Kolorex
3. Verhinderung eines Rückfalls, also einer erneuten Bakterienfehlbesiedlung

Verhinderung eines Rückfalls, also einer erneuten Bakterienbesiedelung

Oft kommt es nach der erfolgreichen Behandlung einer bakteriellen Fehlbesiedelung im weiteren Verlauf zu einem Rückfall, d.h. dem erneuten Auftreten von Bakterien in Dünndarmabschnitten, die normalerweise frei von Mikroorganismen sein sollten. Für den Patienten bzw. die Patientin bedeutet dies in der Regel das Wiederauftreten von Symptomen.

Meist wird dieser Rückfall durch Vorerkrankungen und/oder bisher nicht behandelte zugrundeliegende Ursachen einer bakteriellen Überwucherung begünstigt.

Am häufigsten finden sich Störungen der Dünndarmmotilität (Störungen des „Migrating Motor Complex“ MMC ) oder anatomische Gründe (z.B. Vor-Operationen, Adhäsionen, Ileozökalklappendefizite – oder resektion, erhöhte Darmelastizität durch Kollagensynthesestörungen wie Ehlers-Danlos-Syndrom) als Ursache für einen Rückfall und eine erneute Behandlungsnotwendigkeit.

Aufgrund der Häufigkeit eines solchen Rückfalls (Literaturangaben bis zu 60 %!) kommen verschiedene Strategien zum Einsatz, einen solchen zu verhindern:

  1. „Meal spacing““ wie oben beschrieben – bei einem Abstand von 4-5 Stunden zwischen den Mahlzeiten ohne „Snacken“ hat der Darm ausreichend Zeit vom Verdauungs- in den Reinigungsmodus zu schalten. Ein (funktionierender) MMC sorgt dann mit „Reinigungswellen“ für das Ausschwemmen von Bakterien und Nahrungsrückständen.
  2. Einhaltung einer spezifischen SIBO-Nahrungsumstellung insbesondere in den ersten Wochen nach der Behandlung mit Reduktion von Kohlenhydraten
  3. Absetzen (Ausschleichen!) von Magensäure-Hemmern (PPI) wie z.B. Pantoprazol, Omeprazol, Esomeprazol und Antazida, da diese die Verdauung verschlechtern und die Besiedelung des Dünndarms mit Bakterien erleichtern
  4. Unterstützung der Verdauungsfunktion durch Zufuhr von Bitterstoffen, Apfelessig, rechtsdrehender Milchsäure oder sogar Betain-HCL (bei Magensäuremangel).
  5. Viszerale (osteopathische) Therapie bei anatomischen Problemen, Vor-Operationen oder Problemen mit der Ileozökalklappe
  6. Behandlung evtl. neurologischer oder rheumatologischer Grunderkrankungen
  7. Behandlung mit Prokinetika

Manche Therapeuten verwenden standardmäßig Prokinetika nach Ende der antibakteriellen Behandlung, um einen Rückfall zu verhindern.

Zum Einsatz kommen pflanzliche Stoffe wie Ingwer oder Kräuter-Kombinationen wie Iberogast, aber auch stärkere klassische Medikamente wie Prucaloprid (Resolor), niedrig dosiertes Naltrexon oder niedrig dosiertes Erythromycin. Die Einnahme erfolgt typischerweise mit dem Zu-Bett-gehen, um die Nüchternperiode während der Nacht zur Stimulation des MMC auszunutzen und körpereigene „Reinigungswellen“ zu unterstützen.

Die richtige Wahl und Dosierung richtet sich nach Vorlieben und Erfahrungen des Patienten und des jeweiligen Therapeuten und sollte individuell festgelegt werden.

Kein SIBO aber dennoch Beschwerden?

Nicht alle mit Beschwerden haben automatisch SIBO oder IMO. Es gibt auch andere Ursachen für Beschwerden, die oft nicht getestet werden und dann schnell die Diagnose Reizdarm im Raum steht. Reizdarm ist allerdings eine Ausschlussdiagnose und unsere Erfahrungen zeigen, dass man meist eine Ursache für die Beschwerden findet. Man muss sie nur richtig abtesten. Nach einem Lactulose-Test empfehlen wir als nächstes die häufigsten Unverträglichkeiten zu testen. Mehr darüber erfahren Sie hier