Ziel 3: Verhinderung eines Rückfalls, also einer erneuten Bakterienbesiedelung

Oft kommt es nach der erfolgreichen Behandlung einer bakteriellen Fehlbesiedelung im weiteren Verlauf zu einem Rückfall, d.h. dem erneuten Auftreten von Bakterien in Dünndarmabschnitten, die normalerweise frei von Mikroorganismen sein sollten. Für den Patienten bzw. die Patientin bedeutet dies in der Regel das Wiederauftreten von Symptomen.

Meist wird dieser Rückfall durch Vorerkrankungen und/oder bisher nicht behandelte zugrundeliegende Ursachen einer bakteriellen Überwucherung begünstigt.

Am häufigsten finden sich Störungen der Dünndarmmotilität (Störungen des „Migrating Motor Complex“ MMC ) oder anatomische Gründe (z.B. Vor-Operationen, Adhäsionen, Ileozökalklappendefizite – oder resektion, erhöhte Darmelastizität durch Kollagensynthesestörungen wie Ehlers-Danlos-Syndrom) als Ursache für einen Rückfall und eine erneute Behandlungsnotwendigkeit.

Aufgrund der Häufigkeit eines solchen Rückfalls (Literaturangaben bis zu 60 %!) kommen verschiedene Strategien zum Einsatz, einen solchen zu verhindern:

  1. „Meal spacing““ wie oben beschrieben – bei einem Abstand von 4-5 Stunden zwischen den Mahlzeiten ohne „Snacken“ hat der Darm ausreichend Zeit vom Verdauungs- in den Reinigungsmodus zu schalten. Ein (funktionierender) MMC sorgt dann mit „Reinigungswellen“ für das Ausschwemmen von Bakterien und Nahrungsrückständen.
  2. Einhaltung einer spezifischen SIBO-Nahrungsumstellung insbesondere in den ersten Wochen nach der Behandlung mit Reduktion von Kohlenhydraten
  3. Absetzen (Ausschleichen!) von Magensäure-Hemmern (PPI) wie z.B. Pantoprazol, Omeprazol, Esomeprazol und Antazida, da diese die Verdauung verschlechtern und die Besiedelung des Dünndarms mit Bakterien erleichtern
  4. Unterstützung der Verdauungsfunktion durch Zufuhr von Bitterstoffen, Apfelessig, rechtsdrehender Milchsäure oder sogar Betain-HCL (bei Magensäuremangel).
  5. Viszerale (osteopathische) Therapie bei anatomischen Problemen, Vor-Operationen oder Problemen mit der Ileozökalklappe
  6. Behandlung evtl. neurologischer oder rheumatologischer Grunderkrankungen
  7. Behandlung mit Prokinetika

Manche Therapeuten verwenden standardmäßig Prokinetika nach Ende der antibakteriellen Behandlung, um einen Rückfall zu verhindern.

Zum Einsatz kommen pflanzliche Stoffe wie Ingwer oder Kräuter-Kombinationen wie Iberogast, aber auch stärkere klassische Medikamente wie Prucaloprid (Resolor), niedrig dosiertes Naltrexon oder niedrig dosiertes Erythromycin. Die Einnahme erfolgt typischerweise mit dem Zu-Bett-gehen, um die Nüchternperiode während der Nacht zur Stimulation des MMC auszunutzen und körpereigene „Reinigungswellen“ zu unterstützen.

Die richtige Wahl und Dosierung richtet sich nach Vorlieben und Erfahrungen des Patienten und des jeweiligen Therapeuten und sollte individuell festgelegt werden.